Ein dritter Versuch
Wir haben gesehen, dass das reichliche Zuchtmaterial, das Anfang 1900 vorhanden war u.a. in den Zwingern "van Haarlem" und "Medo" nichts ergeben hat. Das war der erste Ansatz zur Zucht des Langhaars. Dank der Anpassungen von Dr. v.d. Akker und späteren Züchtern unter seiner anfänglichen Leitung gelang es das zweite Mal wohl. Ein dritter Versuch wurde von den Herren Aarts und v.d. Klundert zu Tilburg-Udenhout im Jahre 1945 unternommen. Der Süden der Niederlande war damals schon einige Zeit befreit und am 12.3.1945 wurde dort ein Wurf Langhaare geboren aus Duc und Molly, zwei Hunden von unbekannter Abstammung und nicht verwandt mit den Hunden von Dr. v.d. Akker. Aus dieser Kombination wurden geboren: Breston B.G.O. 115136 und Hertha B.G.O. 115135. Aus der Kombination Breston mit Hertha wurde ein Wurf geboren mit zwei Rüden: Arno und Astor, und zwei Hündinnen: Astrid und Anita, das war am 12.10.1947. Dies waren auch die Langhaare, die erstmalig nach dem Krieg auf einer Ausstellung vertreten waren. Breston errang auf der Hofstad Ausstellung im Jahre 1948 unter Richter F.H. van Schoonderwalt 1U; Arno in Utrecht am 13. u.14. November 1948 in der Jugendklasse 1G und Astrid 1ZG unter Richter S. Franzen. Astor beteiligte sich an der Jubiläumausstellung vom NHC am 12. Juni 1948 zu Utrecht; Ergebnis unbekannt. Die Kombination von Breston mit Hertha wurde im Jahre 1949 noch einmal wiederholt und laut Angaben war es ein C-Wurf. Wahrscheinlich hat es also auch noch einen B-Wurf gegeben. Keiner von diesen Hunden ist jemals vermischt gewesen mit den Hunden von Dr. v.d. Akker. All meinen Nachforschungen zum Trotz ist es mir nicht gelungen irgendwas von diesen Hunden aus Tilburg-Udenhout wiederzufinden. Die Herren Aarts und v.d. Klundert sind schon gestorben und was aus den Hunden geworden ist, ist nicht bekannt. Mehrmaliges Nachfragen beim Sekretär des Kynologenvereins Tilburg hat nichts ergeben. Der dritte Versuch ist misslungen wegen Mangel an Kontinuität, wie das auch das erste Mal der Fall war. Die Erfahrung hat gelehrt, dass, wenn bei einer Rasse oder Varietät mit beschränktem Umfang zwei oder drei Züchter wegfallen, binnen zehn Jahren kaum noch Hunde dieser Rasse oder Varietät für die Fortpflanzung verfügbar sind. Die Liebhaber vom Langhaar dürfen von Glück reden, dass Dr. v.d. Akker, der im Alter von 57 Jahren mit der Zucht dieser Varietät angefangen hat, lange Zeit persönlich alles lenken konnte. Wenn er während der ersten 10 bis 15 Jahre weggefallen wäre, wäre auch sein Versuch zur Wiederbelebung des Langhaars misslungen und hätte er sicherlich durch seine Verschwiegenheit auch anderen Personen außer seiner Zuchtlinie keine Anhaltspunkte gegeben. Man kann hieraus eine Lehre ziehen: eine Zuchtberatungskommission und Meldungen über die Unterbringung von Hunden sind darum immerzu von großer Bedeutung, ebenso wie die Mitgliedschaft vom NHC der neuen Langhaar-Besitzer.

Kritik und schließlich Anerkennung
Anfangs war der Kreis von Leuten um die Beschäftigung von Dr. v.d. Akker herum sehr klein. Nach dem Krieg breitete dieser sich fortwährend aus, aber die Anerkennung auf dem Papier blieb noch lange aus. Bald richtete man sich gegen die Person, bald gegen die Varietät oder gegen beide. So schrieb z.B. C.A. Kruis in de "Hondenwereld" vom 1.5.1951 (siehe: van Rheenen, S. 38): "M.E. steht es um diese Sache so, dass man damit beschäftigt ist, eine Varietät, die niemals als Varietät existiert hat, künstlich ins Leben zu rufen. Bei jeder kurzhaarigen Schäferhunderasse gibt es dann und wann langhaarige Zufallsprodukte. Will man dort eine konstante Vererbung erreichen, schön und gut, das ist dann eine nette Liebhaberei, wenn die zu bildende Varietät nur nicht als eine von jeher bestehende Varietät betrachten wird. Die langhaarige 'Schäferhundehistorie', der Kurz- und Rauhhaare sich rühmen können, hat der Langhaar nicht." Van Rheenen setzt da richtig ein Fragezeichen; wir wissen aus dem Vorhergehenden nun auch, dass diese Bemerkung absolut unpassend war. Denn der Langhaar war ja vielleicht schon länger als der Kurz- und Rauhhaar bei der Herde beschäftigt und er war sicher ein Arbeitshund, wie auch immer. Faust war für Bewachung abgerichtet, Adri war ein Wachhund, Wolf ein Ziehhund, die Hunde von Dipl. Ing. Voskens und Herrn Klerk kamen von der Herde und das war noch 1940! Auch in seinem Buch "Schepershonden van het Europese Vasteland" von ± 1958 schreibt C.A. Kruis noch über den Langhaar (S. 79): "Der Langhaar braucht in diesem Zusammenhang (wo es sich handelt um bekannte Hunde aus früheren Zeiten) nicht besprochen zu werden. Diese Varietät gab es nur in Zufallsprodukten und wird nur in letzter Zeit von einem einzelnen Befürworter gezüchtet." Wir wissen jetzt, dass weder dieses, noch jenes stimmt. Aber es hat sich herausgestellt, dass C.A. Kruis auch ein ganz ehrlicher und fairer Mensch war, der sich nicht darüber geschämt hat sein Unrecht einzugestehen. Er schreibt ja in "Hondenwereld" vom 16.5.1959 (siehe: van Rheenen, S. 41): "Im Laufe der Jahre habe ich mehrmals darauf hingewiesen, dass es normal ist, wenn bei kurzhaarigen Schäferhunde-Rassen dann und wann Hunde mit einer langhaarigen Behaarung vorkommen; sie müssen dann als Zufallsprodukte betrachtet werden. Auch dass die Liebhaberei für den langhaarigen Holländischen Schäferhund immer sehr beschränkt gewesen ist. Amsterdam (Winner Ausstellung) hat nun wohl gezeigt, dass diese Periode vorbei ist. Natürlich muss es möglich sein, durch zielbewusste Zuchtwahl aus den lang behaarten Kurzhaaren, eine konstant vererbende Varietät zu züchten. Den Befürwortern des holländischen Langhaars ist es offenbar gelungen. Eingeschrieben waren 13 Exemplare (1 abwesend), zwei bekamen U und 10 ZG. Es war eine schöne, lebhafte, homogene Sammlung, und zwar auch hinsichtlich Bau, Typus, Farbe und Charakter. Von Zufallsprodukten ist nicht mehr die Rede. Natürlich finden wir bei diesen Langhaaren Inzucht, ziemlich starke sogar. Aber beim Festlegen einer Varietät ist so etwas unvermeidlich und dagegen kann hier denn auch keinesfalls ein berechtigter Einwand gemacht werden. Und dass die Zucht behutsam - auch hinsichtlich Charakter, Temperament und verwandte Dinge stattgefunden hat, zeigte sich schon deutlich aus dem Gesamteindruck, der den Leuten von Gebrauchshunden in Amsterdam geboten wurde. Ein Glückwunsch ist hier unzweifelhaft angebracht."

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

Index Geschichte