Der Tiefpunkt
Nach der Betrachtung von Herrn Turion im Jahrbuch von "De Hond" von 1933 kommt die Position vom Langhaar noch einmal etwas ausführlicher zur Sprache im Jahrbuch von 1934. Darin schreibt Herr A.M.A. Verhaar, der Züchter vom "Zufallsprodukt" Margando's Brutus, folgendes (siehe J. van Rheenen S. 36): "Vom langhaarigen Holländischen Schäferhund lässt sich leider nicht viel Gutes berichten. Nach meinem letzten Aufruf, die Zucht dieser so schönen Varietät mal anzupacken, habe ich nichts mehr davon gehört. Seinerzeit war es mir noch möglich auf gutes Zuchtmaterial hinzuweisen. Das ist inzwischen wieder viel schwieriger geworden, aber ich glaube doch, dass es noch nicht zu spät ist. Lasst uns hoffen, dass bald noch ein sachverständiger Züchter diese schwierige, aber dankbare Aufgabe übernehmen will."


Wann und wie dieser letzte Aufruf stattgefunden hat, wird nicht erwähnt. Van Rheenen schließt diese Stelle aus dem Bericht van Verhaar von 1934 ab mit folgendem Satz: "Es ist verständlich, dass die Liebhaber vom Holländischen Schäferhund neugierig darauf waren, wie die Rasse den Krieg überstanden hatte. Die Kenner zeigten sich überhaupt nicht zufrieden". Danach setzt er fort mit einem Zitat aus einem Bericht in "De Hondenwereld" vom 16.10.1947. Dreizehn Jahre werden durch van Rheenen überschlagen! Wir werden das aus Gründen die ganz deutlich werden, nicht nachmachen. Im Jahrbuch von "De Hond" von 1935 erscheint beim Artikel über den Holländischen Schäferhund das Foto eines nicht genannten Langhaars; war es Paris? (Foto 1)


Foto 1
Langhaar aus dem Jahrbuch "De Hond" 1935,
Paris ± 1920.


Foto 2
Margando's Brutus
abgebildet in Toepoels "Onze Honden"
2. Auflage ± 1938. Foto ± 1930.

Herr Turion wiederholt in diesem Artikel in Bezug auf den Langhaar seinen früheren Verweis auf den Hund der inzwischen gestorbenen Königin Emma. In seinem Buch "Onze Honden", 2. Auflage ca.1938, nennt Toepoel neben dem Kurz – und Rauhhaar auch den Langhaar. Er erwähnt nachdrücklich die offiziellen Rassepunkte für alle drei Varietäten. Er nennt dann für den Langhaar neben gestromt noch immer kastanienbraun als erlaubte Farbe und zwar vorzugsweise tiefkastanienbraun. Für den Langhaar werden auch noch abweichende Mindestmaße angegeben: für Hündinnen 53 cm und für Rüden 55 cm. Abgebildet ist ein Foto von Margando's Brutus (Foto 2), einem Hund der damals wahrscheinlich schon nicht mehr lebte, denn sein Züchter Herr Verhaar hatte ja 1926 aufgehört mit der Zucht von Kurzhaaren und war auf Rauhhaare umgestiegen.


Um der historischen Bedeutung willen sind Fotos, die als einzige von Vorkriegslanghaaren verfügbar sind zu diesem Artikel aufgenommen. Auf den Fotos ist keine oder kaum eine Stromung zu sehen. Selbst war ich längst der Meinung, dass beide Langhaare braun waren. Frln. E. van Weelden teilt jedoch in ihrem eher genannten Artikel über den Holländischen Schäferhund in der Zeitschrift "Onze Hond" von Dezember 1976 mit, dass Margando's Brutus silbergestromt wäre. Toepoel schließt seine Beschreibung vom Holländischen Schäferhund ab mit der Bemerkung, dass die Langhaare, die er in seiner Jugend gesehen hat, "alle schwarz waren"! Im Jahre 1938 wurde nicht mehr geschrieben oder gesprochen über den Hund der verstorbenen Königin Emma. Den Langhaar gab es nur noch auf dem Papier. Ohne dass man jemandem persönlich etwas vorwerfen kann, muss man jedoch feststellen, dass es nach 40 Jahren NHC nicht gelungen war den Langhaar zu retten. Ja, es wurde sehr lakonisch hingenommen, dass der Langhaar ausgestorben war. Der absolute Tiefpunkt war erreicht.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

Index Geschichte